Seit gestern liegt „Work After AI“ vollständig auf meiner Website, und zwar in zwei Fassungen. Die eine ist für Menschen geschrieben: der Report als PDF mit 121 Seiten, die Management Summary auf einer Seite und die Webfassung mit allen Kernbefunden und Prognosen. Die andere ist für Maschinen gebaut, und es gibt sie seit der Fassung 1.2 vom 24. September. Soweit ich sehe, hat bisher kein anderer Jahresreport in Europa eine solche Fassung. Geprüft habe ich rund 50 Institute, Verbände, Statistikämter und Beratungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz und rund 25 Herausgeber im übrigen Europa, darunter die OECD in Paris und Air Street Capital in London mit dem State of AI Report. Einige bieten Teile davon an, etwa eine Kurzbeschreibung für Sprachmodelle oder ausgewählte Kennzahlen als Datei. Eine vollständige Fassung hat keiner.
Die Fassung für Maschinen macht jede Zahl nachprüfbar
Sprachmodelle können jede PDF lesen. Sie behalten dabei jedoch die Zahl und verlieren die Quelle, die Fassung und den Zusammenhang. In der Fassung für Maschinen geht nichts davon verloren. Sie enthält den vollständigen Text mit einer festen Kennung für jedes Kapitel, jeden Kernbefund, jede Prognose und jede der 141 Quellen. Der dritte Kernbefund trägt zum Beispiel die Kennung WAAI-2026-K03. Dazu kommen die Kernbefunde, Prognosen und Quellen als Datensätze, eine Kurzbeschreibung für Sprachmodelle und ein Zusatzpaket (Skill), das sich in Claude, ChatGPT oder Copilot laden lässt. Wenn eine Personalchefin ihren KI-Assistenten fragt, was der Report über den Berufseinstieg sagt, erhält sie eine Antwort mit Fassung, Kennung und Quelle. Sie kann jede Zahl nachprüfen, statt ihr glauben zu müssen.
Das Netz hat seit Juni zwei Leserschaften, die meisten Unternehmen bedienen nur eine
Anfang Juni meldete Cloudflare erstmals mehr Anfragen von Bots und KI-Agenten als von Menschen im eigenen Netz. Cloudflare-Chef Matthew Prince hatte diesen Übergang erst für Ende 2027 erwartet. Seither hat jede Website, jeder Shop und jedes Kundenportal ein zweites Publikum. Dieses Publikum sieht kein Design, liest keinen Werbetext und füllt kein Formular aus. Es kommt mit einer Aufgabe und braucht eine Antwort in einer Form, mit der es arbeiten kann. Die meisten Unternehmen haben ihre digitale Welt bisher ausschließlich für Menschen gebaut, mit Bildern, Texten und Knöpfen.
Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren zwei Welten nebeneinander bauen werden. In der ersten Welt zählen Haltung, Gestaltung und die Bühne, auf der jemand eine These vertritt und sich der Diskussion stellt. In der zweiten Welt zählen eine klare Ordnung, eine nachvollziehbare Herkunft und Aussagen, die sich eindeutig zitieren lassen. Die zweite Welt ist keine Kopie der ersten, sondern ein eigenes Werk mit eigenen Regeln. Banken werden ihre Konditionen so veröffentlichen, dass Software sie abfragen und vergleichen kann. Händler werden ihre Preise und Lagerbestände für die Einkaufsassistenten der Käufer lesbar machen, und Zulieferer werden Anfragen direkt von der Einkaufssoftware ihrer Kunden erhalten, ohne dass auf einer der beiden Seiten ein Mensch tippt.
Wer die zweite Welt zuerst baut, wird von den Maschinen zitiert
Zugegeben, die meisten Leser werden weiterhin die PDF öffnen, und das ist gut so. Für einen Report ist die zweite Welt trotzdem keine technische Frage, sondern eine Frage der Urheberschaft. KI-Assistenten greifen bevorzugt auf die Quellen zurück, die sie sauber lesen und zuordnen können, und sie nennen diese Quellen so lange, bis jemand eine bessere liefert. Wer seine Befunde heute mit Kennung, Fassung und Quelle anbietet, wird morgen genannt. Wer weiterhin nur eine PDF anbietet, wird nacherzählt, und zwar ohne seinen Namen.
Deshalb erscheint „Work After AI“ in beiden Welten. Die Menschen erhalten den Report, die Keynote und die Diskussion. Die Maschinen erhalten dieselben Befunde in der Form, mit der sie arbeiten können. Beide Fassungen entstehen aus demselben Text und werden bei jeder Aktualisierung gemeinsam fortgeschrieben, damit die Zahl im Assistenten nie älter ist als die Zahl in der PDF.
Alles liegt kostenlos auf gerhardkuerner.com/downloads: der Report auf Deutsch und Englisch, beide Management Summaries, die Fassung für Maschinen in beiden Sprachen und ein Gesamtpaket, das alles in einer Datei enthält. Wie man die Fassung in einen KI-Assistenten lädt, steht auf der Seite „Der Report für Maschinen“.
In wenigen Jahren wird es so selbstverständlich sein, dass ein Report, ein Katalog oder eine Preisliste auch für Maschinen erscheint, wie es heute selbstverständlich ist, dass ein Unternehmen eine Website hat. Offen ist nur, wer die zweite Welt baut, solange dort noch Platz ist. Ich habe damit begonnen.
Gerhard Kürner ist Autor von Work After AI, CEO von 506.ai und Mitgründer von Choose European.


